Gott ist tot!

Die Botschaft des Philosophen Nietzsche über hundert Jahres alt in eine Gesellschaft gesprochen, die mindestens so hin und her gerissen war wie die unsrige heute.

Gott ist tot!

Eine Erkenntnis, die gespeist wurde und wird aus den Beobachtungen der damaligen, wie der heutigen Zeit.

Gott ist tot!

Und wir haben Ihn umgebracht!

Wir?

Wir haben Ihn umgebracht?

Wir, die wir doch noch in die Kirche kommen?

Wir, die wir uns engagiert haben und engagieren mit der Kirche zu leben? Wir, die wir sogar in und für die Kirche arbeiten?

Ja, genau wir, und ich mit an erster Stelle,

denn auch ich habe Ihn, wie Nietzsche damals schon beschrieb, eingetauscht, eingetauscht

gegen Routine und Alltagsgeschäft,

gegen Verwaltung und Macht,

gegen Ansehen und Anerkennung.

Ich und viele andere haben ihn ersetzt, ersetzt

gegen die Sorge um Kinder, Heim und Auskommen,

gegen Vorankommen und Entwicklungen der Gemeinde,

gegen Sicherheiten und Äußerlichkeiten.

Ich habe Gott auf´s Spiel gesetzt und Ihn verloren für das sinnlose Widerkäuen alter Symbole,

für das Aufbereiten sinnentleerter Riten,

für das gehaltlose Abhalten methodenschwangerer Lehren.

Unglaubwürdiges Geschwafel,

geistloses Treiben

gefühlloses Leben.

Kein Mensch braucht so etwas noch.

Kein Gott kommt in solch einer Kirche vor:

Er ist tatsächlich tot,

Er ist durch sie ermordet,
Er für uns gestorben – denn:

Denn, wo kommt er noch vor in meinem Leben? Einen Stunde in der Woche sonntags reicht?

Welche Stelle nimmt Er ein in meinem Alltag? Kurze Gebete zu bestimmten Punkten genügen?

Wie beziehe ich Ihn ein in mir?

Caritativer Einsatz hier und da ist ausreichend?

Bestimmt auch, um Ihn nicht ganz zu verlieren,

ein bisschen ja, um der Gewöhnung willen,

ein klein wenig, um sicher zu sein.

Alles auch Beweggründe, der Eltern unserer Täuflinge, Erstkommunionkinder, ja Hochzeiter, die mit Kirche nichts zu tun haben wollen, aber man weiß ja nie…..

Alles auch Hintergründe noch praktizierender Christen, Kirche mit einzubeziehen, bietet sie auch Heimat….

Alles auch Versicherungen unterschiedlichster Menschen Gott für´s Gefühl bereitzuhalten, würde sonst vielleicht ja etwas fehlen….

Alles sogar legitime Gründe, auch auf diese Weise irgendwie in humanitärer Weise das Gute zu erwirken – und somit nicht als negativ zu bezeichnen.

Aber dann war´s das schon?!

Aber dann bleibt´s dabei?!

Aber dann:

Stille, tödliche Stille, Grabesruhe – hier in der Kirche, bei uns zuhause, in meinem Herzen,

denn Tod ist da, wo das Gespräch verstummt.

Tod wirkt da, wo Kommunionkation aufhört,

Tod herrscht dort, wo keiner mehr spricht:

Wir haben Gott so hoch gehängt, dass keiner mehr drankommt, drankommen kann, drankommen soll!

Wir haben Gott so sehr verniedlicht, dass Ihn keiner mehr ernstnimmt, diesen „Lieben Gott“!

Wir haben Gott entmündigt und eingesperrt in die Geschlossene Anstalt Kirche.

Wir haben Ihn also als wirklichen Gesprächspartner ausgeschaltet:

Und nochmals:

Gott ist tot – umgebracht durch unsere Verachtung.

Gott ist tot – mundtot gemacht durch unser Schweigen.

Gott ist tot – gestorben für uns durch unseren Tod.

Und das ist wahr, wirklich und wahrhaftig!

Gott ist tot – weil ich nicht mit Ihm spreche.

Gott ist tot – weil ich nicht von Ihm spreche.

Gott ist tot – weil ich nichts von Ihm teile, mitteile:

Denn Er hat doch gesprochen zu mir:

in der liturgischen Nacht als Jugendlicher.

Er hat Sich doch mitgeteilt:

damals im Kloster nach dem Abitur.

Und Er spricht doch immer noch zu mir:

im Gottesdienst – nicht nur in der Kirche,

in tagtäglichen Eingebungen von guten Ideen,

in Worten mir begegnender Menschen.

Doch warum sag ich nichts von Ihm?

Wieso berichte ich nicht über Ihn?

Weshalb kommt Er durch mich nicht zur Sprache?

Jesus sagt: „Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag!“ – aber ich habe Angst vor dem Schicksal der Verachtung durch meine Mitmenschen.

Jesus sagt: „Was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern.“ – aber ich traue mich das kaum, auch wenn ich Pastor bin,

denn wenn ich die Botschaft Jesu wirklich ernstnehme, Gott zur Sprache und in mein Leben zu bringen,

dann muss ich Vieles ablegen, was dieses Amt beinhaltet,

dann muss ich glaubwürdiger beginnen zu leben,

dann muss ich ohne diese „Amtsgewalt“ glaubenswürdiger reden, beten und handeln,

dann muss ich aufgeben,

die mächtige Kirche mit all ihren Geboten, Verboten und Gott tötenden Vorschriften zu repräsentieren

und leben was Gott mir geschenkt: nacktes, wehrloses, liebevolles Menschsein!

Und das macht Angst,

Angst macht sprachlos,

Sprachlosigkeit töten – nicht mehr nur Gott, sondern auch mich, meine Seele, mein Leben.

Dann ist nicht mehr nur Gott tot,

dann bin auch ich tot.

Fürchtet euch nicht vor den Menschen!

Gott ist nicht tot, wenn Du Ihn von den Dächern verkündest und erzählst wo und wie Er in Deinem Leben war.

Gott ist nicht tot, wenn Du die Ohren offenhältst für Seine Einflüsterungen, die Dein Leben getroffen hat.

Gott ist nicht tot, wenn Du Seine Botschaft in Deinem Leben lebst, tust und verbreitest

und Ihm so wieder Raum gibst ohne Mauern, Kirchen und Grenzen,

und Ihm so unkonventionell zu dem Leben verhilfst, das Er Dir selbst geschenkt hat,

und Ihn so in den Menschen wiederfinden hilfst, die Ihn im Alltag verloren hatten.

Gott ist nicht tot

       Er lebt – Ihn Dir!

Sprich von Ihm und sag´s allen weiter, dass sie es auch entdecken.

In Kürze anstehende Termine: