nachgedacht

Liebe Schwestern und Brüder,

jetzt sind schon einige Monate vergangen, dass Frau Ortmans uns verlassen hat und das Bistum den Kaplan zurück geschickt hat nach Eichstätt. Mit allem Hin und Her, was diese Personalentscheidungen mit sich gebracht haben, haben wir so einigermaßen weitergemacht – gut weitergemacht:

Die Erstkommunion- und Firmvorbereitung ist gut angelaufen und hat viele Impulse neu gesetzt. Kommunionhelfer- und Lektoren werden sich zusammensetzen, um über WortGottesFeiern auch am Sonntag reden, sie planen und dieses Projekt angreifen. Viele hilfsbereite Menschen sind aktiv, um das Leben der Pfarrgemeinde St. Martinus zu stützen, ja sogar voranzutreiben.

Das Ganze ist sehr erfreulich, und jetzt trägt es Früchte, dass wir in unseren Gemeinden schon früh damit angefangen haben, Gottesdienste in ein vernünftiges System zu bringen, Menschen für die Feier von WortGottesFeiern zu schulen und sie solche Gottesdienste vorbereiten und halten zu lassen, Katecheten und Eltern dahin zu bringen, dass sie selbständig Gruppenstunden erarbeiten und halten, die Verwaltung, wie den Kirchenvorstand oder Kindergarten, auf eigenständige Füße zu stellen, Bruderschaften, Vereine und Verbände als selbständige Einrichtungen unserer Gemeinde wahrzunehmen, die das Leben unserer Gemeinde mit prägen mit ihren Aktivitäten und Traditionen.

Vieles läuft und läuft rund. Dafür bin ich froh und dankbar, gerade für alle die Menschen, die das mitmachen und manchmal auch aushalten, dass nicht (mehr) alles so läuft, wie´s früher mal war.

Es zeigt sich einfach, dass eine gesunde Gemeinde rundläuft, wenn sie weiß, worum es geht: Nicht nur versorgt werden, sondern sich selber sorgen um die eigenen und die Belange der ganzen Gemeinde.

Bei mir ganz persönlich zeigt sich aber auch, dass gerade in den Neuanfängen der Erstkommunionkatechese oder des Pfarreirates mit den Ausschüssen, den wichtigen Themen in unseren Gemeinden, aber auch von außen an uns herangetragene (Prävention von Kindesmissbrauch o.Ä.), Verwaltung und Seelsorge, unter anderem auch die Notfallseelsorge, meine eigenen Kräfte sehr beansprucht werden.

Ich lebe in einem ständigen Standby, auch an meinen sogenannten freien Tagen: immer kann jemand mit mehr oder weniger schweren Problemen an meiner Tür schellen, mich anrufen, sich bemerkbar machen. Ich bin nicht jemand, der solche Leute abweist mit dem Hinweis: Ich habe heute frei. Ich versuche mehr oder weniger geglückt da zu sein, für die Menschen. Da zu sein, egal was da so anfällt. Ich kenne dabei meine Grenzen und weiß auch, dass dieses Da sein nicht immer gelingt, man mich nicht erreicht, oder ich es auch manchmal eilig und keine Zeit habe.

Das tut mir in der Seele weh, da ich es als wichtigste Aufgabe empfinde für einen Seelsorger, Zeit zu haben.

Nichtsdestotrotz spüre ich immer mehr, dass ich gerade in dieser personellen Situation auch Zeit für mich brauche, in der ich mich mit ganz anderen Dingen befasse als Pfarrei, damit Kopf, Geist, Seele und nicht letztendlich der Körper sich erholen können. Da ich das aber an sogenannten freien Tage in meinem Haus nicht kann, habe ich mich entschlossen, auf meinen wöchentlichen freien Tag zu verzichten, auch den Montag für meine Gemeinde da zu sein, DAMIT ich eine biblische Anweisung verfolgen kann:

Ich werde ungefähr alle sieben Wochen mehrere Tage verschwinden mit oder ohne Hund und frei machen: Sabbatwochen. Nicht am siebten Tag, sondern in der siebten Woche werde ich für etwas anderes da sein. Damit das dann aber auch gelingen kann, brauche ich Hilfe: zum einen die Hilfe der Nachbarn aus Issum und Wachtendonk, dass sie mir die Gottesdienste abnehmen, die Hilfe aber auch engagierter Gemeindemitglieder, die ebenfalls Gottesdienste, aber auch alles andere mittragen. Beim Ersten bin ich mir nicht mehr so sicher, da ja in Wachtendonk der Pfarrer gegangen ist, der die Münsteraner Verpflichtung haben sollte, hier mit seinen Priestern mitzuhelfen, die Geistlichen in Kerken, die mit dem eigenen Gottesdienstaufkommen dort nicht hier helfen können, und die Pfarrei in Issum nicht alles tragen kann. Beim Zweiten bin ich mir aber dafür umso sicherer, denn ich weiß und darauf vertraue darauf, dass hier ganz viele Menschen sind, die in und für ihre Aufgaben leben und sich engagieren.

Doch eine dritte Hilfe brauche ich noch: Ihre ganz persönliche. Es ist für mich sehr schwer, diesen Plan der Sabbatwochen für mich und meine Gesundheit auszuprobieren, wenn ich weiß, dass das vom Unverständnis bis hin zur Feindseligkeit nicht anerkannt wird, dass so etwas notwendig ist. Dafür brauche ich dann Ihre Rückmeldung, damit Missverständnisse usw. sofort ausgeräumt werden können.

Ich hoffe jedoch darauf, dass ich mich verständlich ausgedrückt und ich Ihr Verständnis für mich erreicht habe.

Ihr Norbert Derrix, Pastor

In Kürze anstehende Termine: