Kirche St. Antonius in Tönisberg

 

Die Kirchen von St. Antonius Tönisberg

 

Die Kapelle

 

In der Stiftungsurkunde des cölnischen Generalvikars Johann, Probst der Apostelkirche zu Cöln, ausgefertigt am 9. August 1439, heißt es: "In der Erwägung, dass der Umfang genannter Pfarrei (Aldekerk) sich soweit erstreckt, dass mehrere Pfarreingesessene eine Meile und mehr von der Pfarrkirche (Aldekerk) entfernt sind und dass in ihrer Nähe die genannte Kapelle schon länger als seit Menschengedenken errichtet ist und in derselben ein Altar ohne Einkünfte consecriert ist, ..." wird die Schenkung von 60 Morgen Land des Herzogs Arnold von Geldern genehmigt. Aus dieser Urkunde geht also hervor, dass es in Tönisberg, dieser Name wurde erst später geläufig, bereits im 14. Jahrhundert eine Kapelle ohne angestellten Geistlichen gab. Die Kapelle "am Ryckendael" oder "Ryckendoir" stand an der heutigen Rheinstraße, nahe der Honschaftsgrenze Stenden/Schaephuysen. In der Kapelle gab es Altäre zu Ehren des heiligen Antonius (Mönchsvater) und des heiligen Cornelius. Man nannte die Kapelle "Sanct Antonius am Berghe" im Gegensatz zu "Sanct Antonius in der Heyden" (St. Tönis) oder "Sanct Antonius in der Middelvluyn" (Vluyn). Aus "Sanct Antonius am Berghe" wurde schließlich St. Antoniusbergh - St. Tönisberg - Tönisberg.

 

Der Tönisberger Pfarrer Paul Wiegels (1967-1976) schreibt in seiner Chronik, dass die Kapelle im 19. Jahrhundert als Leichenhalle benutzt wurde und 1888 abbrannte.

 

 

Die erste Pfarrkirche

 

Nach langen Bitten der um die Kapelle wohnenden Menschen, wurde St. Antonius Tönisberg endlich im Jahre 1529 von der Mutterpfarre Aldekerk abgepfarrt und eigene Pfarrei mit eigenem Pfarrer. 1537 beginnen die Tönisberger mit dem Bau einer Kirche. Hierzu bekommen sie von Herzog Carl eine Stiftung von 6 Morgen Land. Von der ersten Kirche, gebaut im barocken Stil, erfahren wir etwas vom Heimatforscher Richard Verhuven. Er schreibt u.a.: "Das Chorgewölbe hatte einen blauen Anstrich und war mit Messingsternen ausgeschlagen. Auf dem Chor befanden sich mehrer große Grabplatten, unter denen sich die Grüfte der früheren Geistlichen befanden. Weitere Grabplatten lagen im Fußboden dicht vor dem Chor. Es waren die Grüfte der hiesigen adeligen Familien, wie von Aefferden, von Born u.a. Der Hochaltar, ganz im Barock ausgeführt, stammte aus dem Jahr 1662. Das Mittelbild stellt die Himmelfahrt Christi dar. Im Oberbau befand sich das Bild des heiligen Antonius. Es gab zwei Seitenaltäre, die der unbefleckten Gottesmutter und der Mutter Anna geweiht waren."

In der Kirche besaßen die Adelsfamilien der Rittersitze Erprath, Semont und Kiekhorst ihre Bänke. Durch Kriegswirren wurde die Kirche mehrmals stark in Mitleidenschaft gezogen, aber immer wieder aufgebaut. Sie diente mehr als 350 Jahre der Pfarrgemeinde als Kirche, war aber schließlich für die immer größer werdende Zahl der Gemeindemitglieder zu klein geworden und wurde 1893 abgebrochen, weil an derselben Stelle die größere Kirche gebaut werden sollte.

Von der Kirche existieren nur Handzeichnungen des Geometers Adam Blum von 1724 (siehe Link: Geschichte der Pfarrgemeinde) und des Kirchmeisters Matthias Huers von 1730.

 

 

 

Eine Seite aus dem Boenderbuch von 1730. Die bildliche Darstellung zeigt den hl. Antonius und daneben die erste Pfarrkirche. Matthias Huers führte als Kirchmeister das Buch. Von Beruf war er Töpfer und konnte gut zeichnen, wie die vielen Darstellungen in dem Buch bezeugen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die neue Pfarrkirche

 

Mit Pfarrer Dr. theol. Heinrich Laakmann kam 1891 ein Geistlicher nach Tönisberg, der bereits in Waldniel beim Bau der neuen Kirche als Kaplan mitgewirkt hatte. Sofort setzte er alle Hebel in Bewegung, Gelder für eine neue größere Kirche in Tönisberg zu beschaffen. Er gründete im Ort einen "Pfennigsverein", bei dem sich die Mitglieder verpflichteten, wöchentlich ihren Obolus zu geben. Außerdem schickte er Sammler in die Nachbarpfarreien und schickte Bittbrief auf Bittbrief an die Obrigkeiten. Anfang Oktober 1893 war es dann schließlich soweit. Die Notkirche (der Saal Hennings) wurde geweiht und das Allerheiligste aus der alten Kirche hinübergetragen. Sofort begannen die Baumeister Gebrüder Bernhard und Johann Laakmann aus Rees mit dem Abbruch der alten Kirche. Der Turm jedoch blieb stehen und wurde später mit neuen Klinkern umbaut. Im Glockenstuhl der heutigen Kirche ist das alte Mauerwerk noch gut sichtbar. Am 2. April 1894 wurde der Grundstein gelegt (unter dem Chorkreuz zu sehen). Bereits am Dienstag, den 18. Dezember 1894 konnte Dechant Reenen aus Grefrath die Kirche feierlich weihen (benedicieren). Das Allerheiligste wurde aus der Notkirche in die neue Kirche übertragen und Pfarrer Laakmann konnte "unter großer Anteilnahme der Bevölkerung" das erste Hochamt feiern. Der Kirchbau hatte 67 657,34 Mark gekostet und bereits im März 1895 konnte Pfarrer Laakmann die letzte Rate bezahlen. Die Kirche ist eine neugotische einschiffige Hallenkirche mit Kreuzrippengewölbe und Querschiff. Der Turm ist bis zum Hahn 48 m hoch.

Nun war der Kirchbau zwar fertig, die Innenausstattung aber noch dürftig. Die Orgel aus der alten Kirche wurde genutzt, ebenso die Bänke. Die Fenster waren in Weißglas und der Hauptaltar fehlte. Pfarrer Laakmann hielt das Geld weiter zusammen und baute 1895 noch ein Pfarrhaus an der Hülser Straße (Bergstraße). 1896 wurde der Kirchbauer versetzt. Der Bischof übertrug ihm eine neue Pfarrstelle in Hamborn, wo die aufstrebenden Industriegemeinden neue Pfarreien und Kirchen brauchten. Die Consekration, d.h. ihre Weihe und Übergabe an die Gemeinde erhielt die Kirche erst am 17. Juli 1898 durch Bischof Hermann (Dingelstad). Die heutige Ausmahlung des Kirchenraumes führte erstmals der Tönisberger Kirchenmaler Karl Heil 1919 aus. Bei einer Restaurierung wurde die Polychromierung 1960 weiß übertüncht und nochmals unter Pfarrer Wiegels (1967-76) neu gestaltet. Unter seiner Federführung wurde auch der Chorraum nach den Vorgaben des 2. Vatikanums umgebaut, d. h. die Kommunionbank wurde weggenommen und der Chor weiter in das Kirchenschiff vorgezogen. Ein bronzener Opferaltar (Karl Franke) wurde näher zu den Gläubigen aufgestellt, beide Seitenaltäre und die Kanzel entfernt sowie Stippes und Predella des Hauptaltares. Das Retabel wurde auf einen Sockel vor die Chorrückwand gesetzt.

Weil Putzbrocken aus dem Kirchturm auf die Straße fielen, wurde 1982 mit einer Grundsanierung der Kirche im Außenbereich begonnen, die 1991 mit einer neuen Polycromierung des Kirchenraumes abgeschlossen werden konnte. Bei der Ausmalung durch die Malergemeinschaft Maul-Beumling (Chor) und Thissen/Elbers (Kirchenschiff) wurde wieder die alte Polychromierung gewählt, jedoch auf das Teppichmuster im unteren Bereich verzichtet. Nach und nach wurden Orgel und Kunstgegenstände restauriert und der Hauptaltar nach alten Vorlagen wieder erstellt.

 

 

 

Die Ausstattung der Kirche

 

Die Kirchenfenster

Drei zweistreifige Chorfenster mit sechs Bildern aus dem Leben des heiligen Antonius. In den Dreipass-Maßwerken Engel mit Spruchbändern, mit dem Gelübde der Antoniter-Mönche: Gehorsam, Armut, Keuschheit.

Die Fenster wurden in der Werkstatt W. Derix in Goch bzw. Kevelaer nach Entwürfen von Friedrich Stummel 1898/99 hergestellt.

 

Die beiden seitlichen Chorfenster stammen aus der Werkstatt Pitt van Treek. Sie zeigen in blauen und roten, in sich verschlungenen Kreisen die Gemeinschaft des Himmels und der Erde (Gott und Mensch).

 

Die übrigen Fenster haben alle Bleiverglasung, in den Dreipässen mit Buntglas-Motiven. Sie stammen aus der Werkstatt W. Derix, Kevelaer.

 

Die Orgel

Die Orgel mit ihrem neugotischen Prospekt stammt aus der Werkstatt Fabritius und Brehm, Kaiserswerth. Sie wurde 1927 gebaut wird bis heute rein pneumatisch, d. h. mit Luft betrieben; bis Ende der 50er-Jahre des 21. Jahrhunderts mit Blasebalg, danach mit einem Windmotor. Der Spieltisch hat zwei Manuale, Pedale und Schwellwerk. Die Orgel hat 17 Register. Nähere Einzelheiten siehe Heimatbuch des Kreises Viersen von 1999.

 

Die Glocken

Im Turm hängen vier Stahlglocken aus dem Stahlwerk des Bochumer Vereins. Am 23.März 1952 weihte Pfarrer Wüst die ...

Antoniusglocke mit 1580 kg,

Marienglocke mit 1400 kg,

Josefsglocke mit 630 kg,

Sebastianusglocke mit 340 kg.

Die Tönisberger neue Pfarrkirche hatte nun zum dritten Mal neue Glocken.

1917 mussten zwei der drei Glocken, die aus dem Jahr 1866 stammten, zu Kriegszwecken abgegeben werden und nachdem man 1924 endlich wieder ein neues Geläute von drei Bronzeglocken geweiht hatte, wurden diese 1942 erneut zu Kriegszwecken beschlagnahmt.

Eine kleine Glocke, gegossen 1756 bei Petit und Edelbrock, hat alle Kriegswirren überlebt. Sie hängt heute im Dachreiter über dem Kirchenschiff und wird als "Klimpglöckchen" genutzt.

 

Hochaltar

Der Hochaltar im Chor der Kirche ist in seiner ursprünglichen Form nicht mehr erhalten. Die noch vorhandenen Teile bestehen aus dem eigentlichen Altaraufsatz mit Gesprenge und zwei Seitenflügeln. Altartisch, Predella und Leuchterbank sind nicht mehr vorhanden. Im Schrein sehen wir zwei reliefartig ausgearbeitete Darstellungen des Leidens Jesu und im Zentrum die Beweinung des Gekreuzigten.

Der Schrein ist ein Werk des Kevelaerer Bildhauers Jacob Holtmann aus dem Jahr 1900.

Die beiden Seitenflügel wurden 1899 vom Kevelaerer Maler Heinrich Holtmann gefertigt. Sie zeigen auf der Sonntagsseite die Ölbergszene und die Auferstehung. Auf der Werktagsseite finden wir Heilige, die im Ort besondere Verehrung erfuhren oder noch erfahren. Auf der linken Bildtafel finden wir die hl Brigitta von Cildare und die hl. Anna. Beide Heilige hatten in der alten Kirche einen Altar. Auf der rechten Bildtafel ist der hl. Sebastian (Patron der Linder Schützenbruderschaft) und der hl. Isidor (Patron der Junggesellen-Bruderschaft) abgebildet. Stippes (Altartisch) und Predella wurden Ende der 60-er Jahre abgebrochen.

Im Zuge der Restaurierung durch die Diplomrestauratorin Beate Zumkley aus Wesel-Bislich im Jahr 2005 wurde der Hochaltar wieder vervollständigt. Den Altartisch baute der hiesige Bauunternehmer Matthias Thelen zusammen mit dem Steinmetz Manfred Messing und dem Maler Peter Thissen. Die Predella wurde in der Holzbildhauerei Christoph Müller in Brühl nach alten Fotos original erstellt, gebeizt und mit Leinöl gestrichen (Vorstufe zur Polychromierung).

Am 2. Oktober 2005 konnte der scheidende Pfarrer Alois Bimczok den Hochaltar segnen.

 

 

 

Die Kirche St. Antonius Tönisberg besitzt noch weitere Kunstwerke und Andachtsgegenstände, die es lohnten, beschrieben zu werden. Besser ist es aber, sie besuchen unsere schöne Kirche einmal und lassen sich an Ort und Stelle von kompetenter Stelle führen. Auch ein stilles Gebet wäre möglich.

Da die Kirche nur während der heiligen Messen geöffnet ist, müsste eine Besichtigung im Pfarrbüro angemeldet werden.

 

Einzelheiten erfahren Sie auch aus der Broschüre von Hans Krudewig:

St. Antonius Tönisberg, 100 Jahre neue Pfarrkirche - 1894 - 1994.

 

 

 

 

 

 

Kirche St. Hubertus in Schaephuysen

 

Zwischen 1450 und 1495 bauten die Einwohner von Schaephuysen ihre erste Kapelle. Von Anfang an wählten sie den Hl. Hubertus zu ihrem Pfarr- oder Schutzpatron.

 

1648 erhielt dieses Gotteshaus einen neuen Turm . Da dieser prächtige Turm nicht mehr so recht zum baufälligem Rest der Kapelle passen wollte, beließ man es nicht bei dem neuen Turm.

 

1663 bis 1665 errichtete man unter Einbeziehung des Turmes eine neue Kirche (siehe zweites Foto von links).

 

 

Im Laufe der Jahre wuchs die Einwohnerzahl von Schaephuysen stetig an und die Kapelle wurde zu klein.

 

1857 wurde ein Kirchbauverein gegründet. Allen "Eingepfarrten" wurden vierteljährliche Beiträge auferlegt. Diese entsprachen der Hälfte der damaligen Klassensteuer. Knechte und Mägde mussten nur ein Drittel ihrer Klassensteuer entrichten. Aufgestockt wurde das Guthaben des Kirchbauvereins durch Schenkungen, Zinsen und 900.000 Ziegelsteine, die die Schaephuysener selbst brannten.

 

1893 wurde die Baugenehmigung durch staatliche und kirchliche Behörden erteilt und so tat man unverzüglich am 20.März 1893 den ersten Spatenstich. Der Grundstein wurde am 18. Juni 1893 durch den Bischof Hermann von Münster gelegt.

 

Die Kirche wurde nach den Plänen des Bonner Architekten und Kirchenbaumeisters Franz Langenberg gebaut. Dieser führte in seiner Baubeschreibung aus: "Der Bau ist eine im Charakter der Backsteinbauten gehaltene Hallenkirche, in welchem Stile die mittelalterlichen Kirchen des Niederrheins durchgängig gehalten sind." Die Baukosten beliefen sich die, für die damalige Zeit ungeheure Summe von 97.000 Mark, welche die Schaephuysener ohne öffentliche und kirchliche Zuschüsse aus eigener Kraft aufbrachten.

 

Am 7. Juni 1894 fand die feierliche Benediktion (Einsegnung) der Kirche statt. Ab diesem Zeitpunkt konnten Gottesdienste in der Kirche abgehalten werden.

 

Am 24. Oktober 1895 wurde der Hahn auf die Spitze des Kirchturmes gesetzt.

 

Der Benediktion folgte am 30. Juli 1899 in Kombination mit einer Firmung die Konsekration (Einweihung) durch den Bischof.

 

         

 

Einige Anmerkungen zur Ausstattung der Kirche:

 

  • Die Kirchenfenster

    Die Fenster für die neue Kirche wurden von der Firma Oidtmann in Linnich geliefert. Mündlicher überlieferung zufolge wurden die Kosten hierfür zum größten Teil aus Stiftungen von Pfarrangehörigen bestritten, die in den Fenstern dafür ihre oder die Namenspatrone von verstorbenen Familienangehörigen abbilden ließen.

    Die Fenster im Chorraum zeigen folgende Darstellungen:

    Mittelfenster: Hl. Familie mit Gott Vater und Hl. Geist in Gestalt einer Taube

    Fenster rechts: Theodorus, Hubertus (Pfarrpatron), Franzisca

    Fenster links: Gerhardus, Catharina, Matthias

    Fenster über dem Josefsaltar: Elisabet, Henricus, Franz von Sales

    Fenster über dem Marienaltar: Anna, Jacobus, Wilhelmus
  • Die Orgel

    Am 22. Dezember 1901 wurde die erse für die neue Kirche angeschaffte Orgel feierlich eingeweiht. Sie stammte von dem Orgelbauer Tibus in Rheinberg und hatte ,,14 klingende Register, verteilt auf zwei Manuale und ein Pedal sowie eine freie Combination". Feuchtigkeitsschäden und die Entfernung des Prospektes mit dem Hauptregister während des 1. Weltkrieges setzten der Orgel sehr zu. Restaurierungspläne scheiterten an fehlenden Geldmitteln und im 2. Weltkrieg verschwanden weitere Pfeifen. 1968 wurde eine elektronische Orgel angeschafft. Deren klangliche Nachteile ließen aber bald den Wunsch nach einer neuen Orgel entstehen, für die ab 1982 gesammelt wurde. Am 8. November 1987 fand die Einweihung dieses neuen Instrumentes statt. Es stammt aus der Werkstatt Breil in Dorsten und zählt sieben Stimmen im Hauptwerk, sechs im Schwellwerk und vier im Pedal. Schleifladensystem, elektrische Registersteuerung und die sorgfältige Intonation bringen die Klangqualität in den Einzelstimmen wie in allen Kombinationen voll zur Geltung. Das neugotische Gehäuse ist aus Eiche; bei seiner Herstellung wurde zum Teil altes Schnitzwerk verwendet.
  • Die Glocken

    Im Jahre 1909 erhielt die Kirche 3 neue Bronzeglocken mit den Namen Marien-, Josephs- und Hubertusglocke. Nachdem 2 dieser Glocken im 1. Weltkrieg zur Waffenproduktion abgeliefert werden mußten, wurden hierfür 1921 2 Ersatzglocken beschafft. 1942 mußten alle 3 Glocken wiederum für Kriegszwecke abgegeben werden. Erst im Jahre 1954 war es möglich, neue Glocken zu beschaffen, die bei der Firma Petit u. Gebr. Edelbrock in Gescher/Westf gegossen wurden. Die erste, genannt Marienglocke, wiegt 1.457 kg und hat den Ton Es. Sie trägt die (lateinische) Inschrift: ,,Ich trage der gütigen Jungfrau Namen und rufe vorn hohen Turme ihre Diener zusammen". Die zweite, genannt Josefsglocke, wiegt 1.018 kg und hat den Ton F. Ihre Inschrift lautet: ,,Heiliger Josef! Komm zu Hilfe den hier fromm sterbenden Christgläubigen". Die dritte, Hubertusglocke genannt, mit einem Gewicht von 672 kg und dem Ton G hat folgende Inschrift: ,,Zum Lobe Gottes läute ich, Heiliger Hubertus, dich ehre ich".

Der Hl. Hubertus als Pfarrpatron

Der spätere Bischof Hubertus lebte der überlieferung zufolge in der Zeit des Merowingerreiches im Raume des heutigen östlichen Belgien und soll dort um das Jahr 655 geboren sein. Er starb 727 und bereits 743 erfolgte die "Erhebung seiner Gebeine" - die oberirdische Beisetzung in einem Sarkophag -, die damalige Form der Heiligsprechung. Seine endgültige Ruhestätte fand er im heutigen "St. Hubert" in den Ardennen. Von seiner Bischofsweihe in Rom berichtet die Legende, dass beim Anlegen der bischöflichen Gewänder durch den Papst die Stola gefehlt habe, die dann aber durch einen Engel dem neugeweihten Bischof umgelegt worden sei .Ähnliches sei auch mit einem Schlüssel als Symbol der Binde- und Lösegewalt eines Bischofs geschehen. Mit diesen legendären Attributen verband sich die Überlieferung, Hubertus habe mit Hilfe von Stola und Schlüssel Krankheiten, vor allem die Tollwut bei Menschen, Hunden und anderen Haustieren, heilen können. Erst viel später taucht jene Legende auf, die den Heiligen bekannt und volkstümlich gemacht hat und wesentlich für seine Verehrung als Schutzpatron der Jäger ist. Die Legende von seiner Begegnung mit einem kreuztragenden Hirsch.

 

Die Verehrung des Hl. Hubertus breitete sich über ganz Belgien, die Niederlande, das nördliche Frankreich, Luxemburg und Westdeutschland aus. Zahlreiche Kirchen wählten ihn zum Schutzpatron und feierten sein Fest am 3. November mit festlichen Gottesdiensten. Aus einer Aufzeichnung im Gemeindearchiv ist zu entnehmen, dass die Einwohner von Schaephuysen etwa zwischen 1450 und 1495 ihre erste Kapelle bauten und wohl von Anfang an den hl. Hubertus zu ihrem Pfarr- oder Schutzpatron erwählten.

 


Bei einer Restaurierung der Hubertusstatue Anfang 1997 wurde eine, auf deren Rückseite in das Holz eingravierte lnschrift gefunden, die Aufschluß darüber gibt, dass die Figur im Jahre 1903 von dem Bildhauer Dirkens in Kevelaer angefertigt und von den Geschwistern Kölschen, Angehörigen der Schaephuysener Töpferfamilien, gestiftet wurde. Die jahrhundertealte Verehrung des Heiligen in Schaephuysen fand ihren Niederschlag im Gemeindewappen, in dem ein Hirschgeweih mit dem darin schwebenden Kreuz abgebildet ist.

 

Text erstellt aus Unterlagen von Theo Mäschig

 

Die heutige Kirche St. Nikolaus Rheurdt - im Herzen des Dorfes zwischen dem Marktplatz, dem Burgerparkt und dem Pastorat

 

Die St. Nikolaus-Kirche wurde im neugotischen Backsteinstiel errichtet und 1885 eingeweiht. Bis dahin sammelte bereits der Pfarrer Haas in den Jahren 1845-1869 und der Pfarrer Alsters ab 1869 Spenden für den Bau einer neuen Kirche. Letztgenannter Pfarrer Alsters begann mit den Vorbereitungen zum Bau der Kirche.

 

Renovierung im Jahre 2009

Im Jahre 2009 wurde unsere Kirche umfassend renoviert. Die Baumaßnahme dauerte etwa ein halbes Jahr. Insbesondere aus Gründen von Bergbauschäden wurden umfangreiche Putzarbeiten an den Innenwänden, den  Säulen und an der Decke durchgeführt. Anschließend erhielt unsere St. Nikolaus-Kirche einen neuen Anstrich. Zudem wurde eine neue Beleuchtung installiert. Nunmehr bilden der Anstrich und die Beleuchtung eine sehr harmonische Farbgebung unserer Kirche.

 

Es folgt eine Beschreibung unserer Kirche, angereichert mit Bildern vor und nach der Renovierung.  

 

Die Gotik

Man will Bauwerke schaffen, die ins Unendliche streben, die nicht mehr schwere Materie sind, sondern scheinbar ganz und gar lichter Geist.

Bild: Mittelschiff; Aufnahme aus der Zeit vor der Renovierung im Jahr 2009.

 

Das Kirchenschiff wird schmaler und höher. Die Linien des Baues werden feiner, schlanker, aufgelöster. Die Wände sind durchbrochen von einer reichen farbenglühenden Fensterreihen, die das Licht in den Raum fluten lassen. Um die hohen und steilen Gewölbe überhaupt festigen zu können, bringt man von außen an der Kirche Strebenpfeiler an und verbindet diese mit Strebenbögen, die den Druck des Gewölbes auffangen und ausgleichen.

 

Der Außenbau ist geschmückt durch Türme, die keine Zeit höher und schöner gebaut hat als die Gotik. In der Gotik atmet alles Licht, Geist, Innerlichkeit und Kühnheit. Alle Erdenschwere möchte sie gleichsam verflüchtigen. So wird das Werk eine stumme und doch so sprachgewaltige Predigt in Stein.

 

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Bild: Mittelschiff, Blick in Richtung Altarraum; Aufnahme nach der Renovierung im Dezember 2009

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Bild: Mittelschiff, Blick Richtung Orgel; eine weitere Aufnahme nach der Renovierung

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Bild: Seitenschiff rechts; ebenfalls eine Aufnahme nach der Renovierung. .

 

Der Taufbrunnen

Wer sich reinigen will, braucht Wasser. So ist es ganz natürlich, daß alle Riten der Völker, die auf Reinigung von irgendeiner Befleckung zielen, das Wasser verwenden. An diesen Vorgang knüpft Jesus mit seinem Taufbefehl an.

 

Aufbewahrt wird das in der Osternacht geweihte Wasser im Taufbrunnen. Man nennt ihn auch Taufstein, ein Behälter aus Stein oder Metall. Er ist ein Nachkomme des altchristlichen Babtisteriums. Ursprünglich taufte man in Flüssen oder großen Wassserbassins, wie noch einige in den Katakomben erhalten sind. Vom 4. Jahrhundert an entstehen besondere Kirchen oder Kapellen, meist rund, mit einem großen Wasserbecken in der Mitte, in das mehrere Stufen hinabführen. Dorthin geleitete man den Täufling, um ihn im Wasser unterzutauchen.

 

Der Taufstein wird seit dem 13. Jahrhundert üblich, weil seit dieser Zeit anstatt des Untertauchens in das Wasser das Begießen mit Wasser gebräuchlicher wird. In unserer St. Nikolaus Pfarrkirche ist der Taufbrunnen eine große Schale, die sich auf einem sockelartigen Unterbau im Chorraum befindet. Zum Aufgießen des Taufwassers dient eine silberne Kanne.

Bild: Unser Taufstein wurde unter der Verwendung alter Elemente im Jahre 1962 neu gestaltet.

 

 

Die hohen Fenster im gotischen Baustil

Die lichten Chorfenster

Beim Eintritt in die Kirche fällt der erste Blick auf die hohen gotischen Chorfenster. In ihnen leuchtet in farbigen Ausschnitten das ganze Heilsgeschehen im Rahmen der bekannten Rosenkranzgeheimnisse auf.

 

Bild: Aufnahme aus der Zeit vor der Renovierung. An den Fenstern wurden keine bauliche Maßnahmen vorgenommen.

 

Das linke Chorfenster erzählt in bunten Bildern die Darstellungen des "Freudenreichen Rosenkranzes":
Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu: Die Verkündigung / die Heimsuchung / die Geburt Jesus / die Darstellung im Tempel / das Wiederfinden im Tempel.

Das mittlere Chorfenster zeigt die Geheimnisse des "Schmerzhaften Rosenkranzes":
die Todesangst / die Geißelung / die Dornenkrönung / die Kreuztragung / den Tod am Kreuz.

Das rechte Chorfenster bringt Bilder aus der Betrachtungsreihe des "Glorreichen Rosenkranzes:
die Auferstehung / die Himmelfahrt / die Geistsendung / die Aufnahme Mariens in den Himmel / die Krönung Mariens.

 

Zudem fällt das St. Nikolaus Fenster im Querschiff auf.

Das Bild zeigt Darstellungen aus dem Wirken und Tun des Hl. Nikolaus. (Auf einer weiteren Seite finden Sie Details: mehr)


Ein weiterer Heiliger wird verehrt und mit Darstellungen in einem der hohen Fenster dargestellt, es ist der Hl. Josef. Im Fenster des linken Querschiffes ist er mit der Hl. Familie abgebildet.

Bild: Die Hl. Familie


Und fast verborgen befindet sich das Fenster mit der Darstellung des Erzengels Michael in der Außenwand der Seitenkapelle unserer Kirche.

 

Bild: Hl. Michael

"MI - CHA - EL"  "WER  WIE  GOTT"  Der Erzengel Michael anerkannte:
Gott allein ist groß, wir alle sind Geschöpfe seiner Hände und leben durch seine Liebe.


Unsere Orgel

Vom Kirchenschiff aus präsentiert sich die Orgel unserer Kirche in einer vollendeten architektonischen Eingliederung in den Kirchenraum. Die Orgel besitzt 21 Register. Unter Verwendung von acht wertvollen alten Registern wurde die heutige Orgel von der Fa. Breil aus Dorsten im Jahre 1972 erbaut. Möge sie lange Zeit zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen erklingen.

 

Bild: Aufnahme aus dem Jahr 2008.

 

Die Disposition - darunter versteht man die Zahl und den verschiedenen Klangcharakter der Ton- und Pfeiffenreihen - ist abgestimmt auf den Kirchenraum und seine gute Akustik. So klingen die getragenen Klänge der Königin aller Instrumente zu den Gottesdiensten auf, begleiten die Gesänge der Gläubigen, durchfluten den Raum und stimmen ein in die rechte Festtagsfreude. Wir alle, die ganze Gemeinde, besonders natürlich unser Kirchenchor und nicht zuletzt unsere Organistin wissen den Wert dieses Kleinods zu schätzen.


Kreuzweg

Die Ereignisse des Leidensganges Jesu erden im Kreuzweg dargestellt. Die Bilder, die entlang des Hauptschiffes angebracht sind, wurden von unserem ehemaligen Pastor Wilhelm Kanders gestiftet.

 

Und nun noch einige Eindrücke unserer Gottesdienstfeiern in der St. Nikolaus-Kirche Rheurdt.

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Bilder: Messdieneraufnahme am 19.12.2009

 

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Bild: Gottesdienst mit den Sternsingern im Januar 2011

 

Herzliche Einladung zu all unseren Gottesdienstfeiern in unserer St. Nikolaus-Kirche!

 

Lageplan unserer kirchlichen Einrichtungen


Ein Klick auf den Lageplan vergrößert die Ansicht.

 

 

 

Die Marienkapelle in Kengen

 

 

In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entschlossen sich die Mitglieder der Kengener Bruderschaft eine eigenen Kapelle in Kengen zu errichten. Sie sollte der Gottesmutter Maria gewidmet werden als Dank für die überstandenen Kriegsjahre und um der Bruderschaft wieder einen religiösen Mittelpunkt zu geben. Als Standort wählte man einen Platz direkt gegenüber dem Kuytzhof. Den Bauplatz stellte Johannes Himmes, Landwirt auf dem Kuytzhof, zur Verfügung. Um die Kapelle finanzieren zu können, war man auf die Kengener Bevölkerung angewiesen. Insbesondere die Mitglieder der St. Johannes-Bruderschaft zeigten großen Einsatz bei der Errichtung dieser schönen Kapelle, die sich in ihrer Schlichtheit wirkungsvoll in das niederrheinische Landschaftsbild einfügt.

 

Der Bauunternehmer Neuhaus aus Rheurdt bekam den Auftrag, die vom Kreisbaurat Schäfer entworfene Kapelle zu errichten. Zum Ausheben des Fundamentes, zu sämtlichen Handlangerarbeiten und zur Gestaltung auf dem Vorplatz erklärten sich die Bruderschaftsmitglieder bereit. Während der Bauarbeiten wurde jedoch festgestellt, daß die finanziellen Reserven nicht ausreichten. Brudermeister Hammans und der Vorstand baten nun die Kengener Bevölkerung erneut um eine großzügige Geldspende - und hatten damit Erfolg. Die Arbeiten konnten fortgesetzt werden.

 

Nach monatelanger Bautätigkeit wurde die Kapelle fertiggestellt, so daß der Kunstglasmaler Olie aus Nieukerk die Buntglasfenster einsetzen konnte. Das große Fenster auf der Stirnseite zeigt in der Mitte Maria mit dem Kind, rechts St. Johannes den Täufer und auf dem linken Teil den hl. Hubertus. Das Mittelbild der hl. Maria wurde von Viktor Lemken aus Alpen und das Bild des hl. Hubertus wurde von den Kengener Jägern gestiftet.

 

Für den kleinen Glockenturm musste eine Glocke gefunden werden. So entschlossen sich Heinrich Weymans, Johannes Himmes und Matthias Heynen diese Glocke im Duisburger Hafen zu kaufen. Die Glocke wurde zugleich auf dem Heimweg in jeder Gaststätte und Kneipe stolz vorgezeigt und ordentlich betrunken. Man sammelte von Gästen Spenden für die Finanzierung ein und stellte anschließend fest, dass man mehr gesammelt hatte als die Glocke tatsächliche gekostet hat.

 

Im Juli 1955 zogen die Bruderschaftsmitglieder, begleitet von der Rheurdter Bruderschaft mit ihren Fahnen zur Einweihung der neuen Marienkapelle. In einem feierlichen Gottesdienst wurde die neue Betstätte von Domkapitular Jansen und von Kaplan Strutz eingeweiht. Domkapitular Jansen sprach nach der feierlichen Einsegnung der neuen Kapelle von den drei Schlachtfeldern, die mitten im Frieden immer da sein werden. Auf ihnen habe der Mensch stets zu kämpfen. Es seien die Schlachtfelder Naturgewalten, der kalte Krieg untereinander und das menschliche Herz mit all seinen Schwächen und Fehlern. Um auf diesen Schlachtfeldern bestehen zu können, müsse man wieder Kraft holen können, um alle Gefahren zu bestehen. So solle sich diese Kapelle einreihen in die Marienverehrungsstätten des Niederrheins, an denen der Friede und die Liebe zu Hause seien.

 

 

Seitdem feiern wir am Dritten Weihnachtstag unser Patronatsfest mit einem festlichen Gottesdienst in der Kapelle.

 

Gepflegt und geschmückt wird die Kapelle von den Kengener Frauen, die den Schlüssel von Haus zu Haus weiterreichen. Die Grünanlage wird, im jährlichen Wechsel, von den Nachbarschaften in Ordnung gehalten.

 

Viele Besucher von nah und fern halten heute an der Kengener Kapelle an und entzünden vor der Hl. Maria eine Kerze.

 

 

In Kürze anstehende Termine: