Liebe Schwestern und Brüder,

im Studium der Liturgie gab es damals ein maßgebliches Buch, dessen Titel eigentlich schon alles zusammenfasste, was darin nur mehr noch beschrieben wurde: „Liturgie – Dialog zwischen Gott und Mensch“ vom Liturgieprofessor Emil Lengeling.

Wenn ich diesen Titel für uns heute herannehme und damit beschreiben sollte, was Liturgie ausmacht und DANN die Wirklichkeit heutiger Gottesdienstgestaltung betrachte, glaube ich erkennen zu können, dass wir hier zwei Pole kennzeichnen können: Die praktizierte Realität und der Anspruch der Liturgie.

Praktizierte Realität ist es, dass wir sicherlich in den Gottesdiensten, die wir begehen, den vorgeschrieben Dialog einhalten: Der Gottesdienstvorsteher sagt etwas, die mitfeiernde Gemeinde antwortet der Vorgabe gemäß. Und so haben wir ein schön eingefahrenes Modell von Liturgie, die von beiden Seiten persolviert recte et rite ist, aber mit einem Dialog wenig mehr gemein hat. Es ist alles mehr oder weniger richtig, würdig und recht, gültig und erlaubt und – welche liturgischen Klassifizierungen das noch so alles beschreibt, geht aber den die Vorschriften Erfüllenden an Herz und Seele vorbei, da sie mit beiden nicht anwesend sein müssen, das fällt besonders auf, wenn Wortlaute verändert werden. Dann nämlich kann es sein, dass dieselben Antworten gegeben werden wie immer, die aber gar nicht zu dem passen, was vorher gesagt wurde…... und dann ist vollkommene Verwirrung da. So begangene Gottesdienste haben mit einem Dialog nichts mehr zu tun, denn Dialog ist lebendiges Gespräch der beteiligten Parteien und nicht nur das Abreißen von Dialogvorgaben. Und so wurde im Laufe der Zeit Gottesdienst mehr oder weniger zu feierlichen Veranstaltungen mit erbaulichem Vortrag, wenn die Predigt gelungen war oder eine lieb- und herzlose Festlichkeit mit Lehrvortrag, wenn die Predigt am Leben der Menschen vorbeigeht und nicht berührt.

Da helfen dann auch keine Rückgriffe auf uraltbewährtes von vor dem Konzil, kein Festhalten an vermeintlich Bewährtem und auch nicht unbedingt lichtgeschwängerter Mystizismus – wobei alles zu seiner Zeit mit den dementsprechend vorgeprägten Menschen auf alle Fälle seine Berechtigung und Sinn hat – da will ich auf keinen Fall polarisieren. Ich glaube, und das ist der schwerste Schritt, den eine feiernde Gemeinden gehen kann, dass der Dialog zwischen Gott und Mensch nur da sinnvoll und sinngebend geschieht, wenn Gemeinde sich auf den Weg macht und die Schrift, also das ausgesprochene Wort Gottes auf sich wirken lässt, damit umgeht und für sich fruchtbar macht – um so vorbereitet die Eucharistie, also das leibhafte Wort Gottes zu empfangen und mit beidem gestärkt aus dem Sontag heraus den Alltag zu bestehen mit Gott.

So müssen wir uns auf den Weg machen, solche dialogischen Gottesdienstformen neu und wieder zu entdecken. Gott sei Dank leben sie in unseren Gemeinden, denn die Gottesdienste, die Menschen in unseren Gemeinden vorbereiten, hinterlassen meistens den Eindruck, dass sie mit dem Herzen durchbetet und durchdacht sind, und wir dürfen dankbar sein, dass es solche Menschen gibt, die Wortgottesfeiern für Kleine und Große, aber auch Familien-, wie Frauengottesdienste vorbereiten und sich dabei trauen, das Wort Gottes ins Gebet zu nehmen.

So hat sich aber auch der Liturgie- und Katecheseausschuss unserer Gemeinde Gedanken gemacht und möchte zu einem Gottesdienst einladen, der natürlich seine Vorgaben hat, der aber auch die Freiheit besitzen will, spontane Elemente der Mitfeiernden zu übernehmen. Wer will, kann auch Lieder und Instrumente mitbringen, sich schon im Vorfeld Gedanken machen, um dann alles einfließen zu lassen in diesen Gottesdienst

am 5. März 2017 um 18.00Uhr in St. Antonius in Tönisberg.

Das ist der erste Fastensonntag, und mit dieser beginnenden Fastenzeit wollen wir solche Gottesdienste in regelmäßigen Abständen auch in den anderen beiden Gemeindeteilen feiern. Wir sind selber ganz gespannt auf diese Art des Gottesdienstes, freuen uns darauf und erst recht auf die Beteiligung der Menschen, die dazukommen wollen

Wer sich schon mal vorbereiten will:

Erste Lesung Gen 2, 7-9; 3,1-7

Zweite Lesung Röm 5, 12-19

Evangelium Mt 4, 1-11

In Kürze anstehende Termine: