nachgedachtLiebe Schwestern und Brüder, 

"Ich bin Priester, kein Verwaltungsmensch." 

Unter dieser Überschrift veröffentlichte die Rheinische Post letztens die Beweggründe von Pfr. Prießen für sein Weggehen aus Kerken. Er erörtert dort, dass nachdem zu Nieukerk er zuerst Stenden übernommen, dann mit Aldekerk ganz Kerken zu einer Pfarrei fusionierte. Damit vergrößerte sich natürlich auch die Verwaltung und die Seelsorge. Mit dem damaligen Personal konnte das aber noch gut bewältigt werden. Doch mit Abnahme des Personals wurden die Wirkungsbereiche des Pfarrers größer, und er konnte nicht mehr seinen eigenen Ansprüchen des Pastorseins genügen und erst Recht nicht mehr den vermuteten Erwartungen der Menschen vor Ort. 

Als ich das las, fiel mir eine Begegnung ein.

Es begegneten sich der damals neue Weihbischof Theising mit Vertretern aus den Pfarrgemeinden, und der Weihbischof stellte sich vor. Höflichkeiten wurden ausgetauscht, und zum Schluss konnte man Fragen stellen. Eine Frage war: "Wie können unsere Pastöre von den Verwaltungsaufgaben entlastet werden?" und der Weihbischof antwortete "Indem die Pastöre das auch wollen!" Und der berichtete, daß viele Pastöre gar nicht gern ihre Verwaltungsaufgaben abgeben, hat das schließlich auch mit der Abgabe von Macht zu tun - wer will das denn schon gerne? 

Damit hatte und hat der Weihbischof recht. Gott sei Dank ist aber auch seit einiger Zeit seitens des Bistums für Gemeinden, die groß genug sind, die Möglichkeit eingerichtet, einen Verwaltungsreferenten für die Gemeinden anzustellen, der die Verwaltung größtenteils übernehmen kann.  Das gibt Freiräume für Pastöre und viele nehmen das auch in Anspruch - auch in Kerken. Denn ich muss als Pastor meine Kraft genau dafür einteilen, was für mich wichtig ist. Und das kann von Pastor zu Pastor sehr unterschiedlich sein – Gott SEI DANK! Viele der Mitbrüder sind jetzt froh und dankbar, dass sie ihre Verwaltung in gute Hände legen können – das höre ich allenthalben, und auch wir hier werden irgendwann vor der Entscheidung, für einen Verwaltungsreferenten, stehen.

Doch noch bin ich froh, dass wir hier in St. Martinus ein sehr gut funktionierendes Zusammenspiel zwischen den Verwaltungsbereichen haben. Da ist als erstes zu nennen der Kirchenvorstand, der in seinen Sitzungen die verschiedenen Probleme innerhalb unseren Gemeinden in den Blick nimmt, angefangen vom Personal über Bauangelegenheiten kleinerer und auch größerer Art, bis hin zu den immer größer werdenden Kindergartenaufgaben, die er in Zusammenarbeit mit der Verbundsleitung bewältigt. Da ist aber auch und in besonderer Weise die zentrale Verwaltungsstelle, nämlich die Zentralrendantur der Dekanate Geldern und Goch/Kevelaer zu nennen, die sich als Dienstleister der Gemeinden versteht und entsprechend handelt. Viele Verwaltungsaufgaben werden hier gekonnt und souverän in enger Abstimmung mit dem Kirchenvorstand erledigt. Und für das Alltagsgeschäft ist unser Haushaltsbeauftragter Peter Minten mit großer Sorgfalt und Übersicht geschäftsführend eine wichtige Säule in dem ganzen Zusammenhang. Vor- und Nachbereitung von KV Sitzungen, aber auch spontane Entscheidungen auf kurzem Wege sind hier in besten Händen.

Und was macht dann noch unser Pastor bei dem Ganzen? Er freut sich, dass das alles so gut miteinander harmoniert und funktioniert, und fungiert als Bindeglied zwischen allen. Manchmal gibt's auch Dinge, die Chefsache sind, wo ich dann gefragt bin, intensiv mitmische, mich aber auch wieder zurückziehen kann, wenn's gut läuft.

Man sieht, es gibt genug entlastende Möglichkeiten, dass ich als Pastor mich um andere Dinge kümmern kann, die zu meinen Vorstellungen von Pastorsein gehören. Da gehören für mich auch Verwaltungsaufgaben dazu, kann ich hier manchmal auch auf ganz kurzem Wege sogar seelsorgerische Dinge regeln und Menschen helfen. Wichtig ist eben nur, dass nicht alle Verwaltungsaufgaben "Chefsache" sind, sondern viele in diesem Bereich mithelfen, weil sie kompetenter, erfahrener und in ihren Bereichen ihre höchstpersönliche eigene Chefsache haben, in die ich mich gar nicht einmischen will.

Doch das sieht jeder Pastor eben anders, und ich werde niemals werten, was besser ist oder nicht: jeder nach seiner Facon. Ich möchte hiermit nur sagen, dass ich glücklich bin, dass mir die Verwaltung mir meinen Beruf weder kaputt macht, noch mich darin behindert, da hier gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Seite stehen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ihr Norbert Derrix, Pastor

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