Nikolausfenster - Historie - Briefmarke

(erstellt von der Kunsthistorikerin Christiane Peters aus Xanten,

ergänzt durch Karl-Heinz Rickers und Regina Heka)

 

Stummelschule

Datierung: Ende 19. /

Anfang 20. Jahrhundert

(neueste Erkenntnis: 1924)

 

Das rechte Querhausfenster besteht aus in beiden Fenster- bahnen auftretenden identischen ornamental gestalteten Flächen, in die die figürliche Szene des Kirchenpatrons, des Heiligen Ni- kolaus, eingespannt ist.

 

Die Sockelzone wird von einem geometrischen Grundmuster be- herrscht. Ihr Zentrum besteht aus einem weißen, aus einer Rund- bogenform entstehenden Kreuz, das farblich durch orangefarbene und blaue Kreuze und Bogen- muster akzentuiert wird.

 

Umlaufend tritt eine Randbordüre mit vegetabilem Muster, grüne Blüten mit weißen oder orange-/ braunfarbenen Blättern auf rotem Grund auf.

 

Dieses Muster wiederholt sich im überlängten Format der Fenster- bahnen noch zweimal, so auch im abschließenden spitzbogig aus- laufenden Maßwerk. Auch die Randleiste, die aus der figür- lichen Darstellung heraus er- wächst, wiederholt sich in ihrem vegetabilen Muster, verläuft so an den einzelnen Fensterbahnen beidseitig entlang und schließt oberhalb der Figurendarstellung waagerecht ab. Das darin ein- gebettete ornamentale Muster besteht aus grünen Blüten mit weißen oder orangefarbenen Blättern auf rotem Grund.

 

 

(Bildrechte: Karen Scholz)

 

Darunter erscheint unter einer maßwerkverzierten spitzbogigen Arkade die figürliche Szene des Heiligen Nikolaus, der hier als Schutzheiliger der Kinder im Vordergrund steht. Die Szene wird von einem auf einem Pfeiler ruhenden, fächerartigen Gewölbe überfangen, das hinter dem senkrechten Eisenstab an beiden Seiten zu sehen ist und wohl als Teil einer Kirchenarchitektur verstanden werden darf. Unter dem Gewölbe erfolgt ein Ausblick in die Nacht mit sternenübersätem Himmel. Seitlich ist die Landschaft durch Bäume gekennzeichnet. Im Vordergrund ist Rasen mit Blumen in Blau, Hellviolett und Rot zu erkennen. Über den Figuren erscheint der Schriftzug ST. NICOLAUS, zweizeilig mittig gesetzt, wobei die Buchstaben auf beiden Fensterbahnen symmetrisch angeordnet sind.


Im rechten Fensterabschnitt ist der Heilige Nikolaus als weißbärtiger Bischof dargestellt. Sein prachtvolles Ornat besteht aus der pontifikalen Kleidung, Mitra und einem in der Krümme kreuzverzierten Bischofsstab. Über einem weißen, bodenlangen Untergewand, das (auf dem Boden aufsteht und) nur den roten rechten Schuh sichtbar werden lässt, trägt er ein gelbes Gewand mit roter Bordüre am unteren Saum. Ein roter Chormantel mit gelber umlaufender Borte ist vor der Brust verschlossen. Die Mitra in Rot und Gelb nimmt das Muster des Pluviale/Mantels auf. Dahinter umfängt ein heller runder Heiligenschein sein Angesicht. In seiner linken Hand hält er eine Schale mit vier roten Äpfeln, die Rechte dagegen führt er segnend über die auf der linken Seite stehenden Kinder. Während das Mädchen im hellbraunen kurzärmeligen Kleid kniet, stehen die beiden anderen Mädchen, die blaue Kleider tragen. Alle drei blicken zum Heiligen auf, strecken die Hände aus, um die Gabe zu empfangen, oder legen sie ehrfürchtig anbetend gegeneinander. Hinter ihnen steht eine Frau in braunem Gewand mit über dem Kopf gelegten Tuch. Sie hat ein weiteres Kind auf dem Arm, im weißen kurzärmeligen Hemd, das sich mit ausgebreiteten Armen Nikolaus zuwendet.


Die Darstellung zeigt den hl. Nikolaus als Bischof von Myra. Seine Mildtätigkeit kommt durch die Gabe der Äpfel an die Kinder, denen er seinen Segen spendet, zum Ausdruck. Der volkstümliche Heilige ist Patron vieler Berufsstände, z. B. der Schiffer und Fischer. Des Weiteren ist er der Schutzheilige der Kinder, die er Maria empfiehlt.


Diese figürliche Szene wird von einem großen maßwerkverzierten Spitzbogen überfangen, der von den Kapitellen aufsteigt und die Inschrift des hl. Nikolaus umschließt. Am Fensterrand tritt hier zu beiden Seiten eine Randleiste auf. Diese besteht aus im Wechsel auftretenden weißen Blättern und grünen Blüten, die vor einem roten Grund erscheinen und dann waagerecht über dem Bogen enden. Der obere Abschluss des Fensters erscheint ornamental. Eine farblich variierte Randleiste aus hellbraun/orangefarbenen Blättern und grünen Blüten vor rotem Grund setzt sich nun in jeder Fensterbahn fort.

 

 

(Ein erster Entwurf, der noch vorliegt, wurde vor der Ausführung ergänzt/geändert:)


Farbentwurf

Bleistift, Feder auf hellem Karton, Deckfarbe, laviert????

ohne Angabe des Ortes, Rückseite Hinweis auf Ausführung der Kleidung

12,5x16cm (Mitte 22 cm Höhe)


Glücklicherweise hat sich zu diesem Fenster eine farbige Werkzeichnung im Maßstab 1:10 erhalten, die in der Glasmalereiwerkstatt Derix in Kevelaer aufbewahrt wird. Sie ist auf hellem Karton mit Bleistift gezeichnet. Darüber wurde mit schwarzer Feder das Bleirutennetz festgelegt, das dann farbig ausgestaltet wurde. Einige Änderungen, die vermutlich auch im Karton (1:1), der unmittelbar der Ausführung vorausgeht, berücksichtigt wurden, lassen sich im Vergleich mit dem Fenster erkennen.


Beschreibung des Entwurfes / Vergleich mit der Ausführung:

Im ersten Entwurf wendet sich der Heilige Nikolaus nach links der Mutter mit dem Kind zu. Die Mutter blickt demütig herab, das Kind schaut den Heiligen Nikolaus an.

Der Heilige Nikolaus im bischöflichen Ornat blickt auf das Kind, das sich auf dem Arm der Mutter befindet (im Fenster stärker auf die drei, die er segnet, ausgerichtet).

Im Fenster ist der Fall der Gewandfalten leicht abgewandelt. Ein Ärmel mit besonderer Borte wird sichtbar.

Im Entwurf liegen drei Äpfel für die ärmlich gekleideten Mädchen (Kleidung mit sichtbaren Flicken) in der Schale, die der Heilige Bischof in seiner linken Hand hält. Aus der Überlieferung zu diesem Fenster wissen wir, dass dagegen sich die Rheurdter Bürger (oder war es der damals zuständig Pfarrer) ausgesprochen haben. Somit tragen nun die drei Mädchen bessere Kleidung und in der Schale liegen - entgegen der Legende - nun vier Äpfel. Der vierte Apfel ist für das kleine Kind auf dem Arm der Frau. Den der Heilige Nikolaus lässt keinen leer ausgehen, so die Begründung.

 

 

Dieses Fenster hat die Künstlerin Frau Karen Scholz aus Bad Essen für ihren Entwurf einer der beiden Wohlfahrtsmarken, die am 10. November 2011 erschienen, gewählt.

 

(Bildrechte: Karen Scholz)

 

In ihrer Bearbeitung retuschierte sie das starke Maßwerk weg und ersetzte es durch eigene Ergänzungen.

 

Das Bundesministerium der Finanzen gibt diese Marke heraus: mehr

 

Der Erlös dieser Weihnachtsbriefmarke fließt in die wichtige soziale Arbeit verschiedener Organisationen: mehr

 

 

 

In Kürze anstehende Termine: