Kirche St. Hubertus in Schaephuysen

 

Zwischen 1450 und 1495 bauten die Einwohner von Schaephuysen ihre erste Kapelle. Von Anfang an wählten sie den Hl. Hubertus zu ihrem Pfarr- oder Schutzpatron.

 

1648 erhielt dieses Gotteshaus einen neuen Turm . Da dieser prächtige Turm nicht mehr so recht zum baufälligem Rest der Kapelle passen wollte, beließ man es nicht bei dem neuen Turm.

 

1663 bis 1665 errichtete man unter Einbeziehung des Turmes eine neue Kirche (siehe zweites Foto von links).

 

 

Im Laufe der Jahre wuchs die Einwohnerzahl von Schaephuysen stetig an und die Kapelle wurde zu klein.

 

1857 wurde ein Kirchbauverein gegründet. Allen "Eingepfarrten" wurden vierteljährliche Beiträge auferlegt. Diese entsprachen der Hälfte der damaligen Klassensteuer. Knechte und Mägde mussten nur ein Drittel ihrer Klassensteuer entrichten. Aufgestockt wurde das Guthaben des Kirchbauvereins durch Schenkungen, Zinsen und 900.000 Ziegelsteine, die die Schaephuysener selbst brannten.

 

1893 wurde die Baugenehmigung durch staatliche und kirchliche Behörden erteilt und so tat man unverzüglich am 20.März 1893 den ersten Spatenstich. Der Grundstein wurde am 18. Juni 1893 durch den Bischof Hermann von Münster gelegt.

 

Die Kirche wurde nach den Plänen des Bonner Architekten und Kirchenbaumeisters Franz Langenberg gebaut. Dieser führte in seiner Baubeschreibung aus: "Der Bau ist eine im Charakter der Backsteinbauten gehaltene Hallenkirche, in welchem Stile die mittelalterlichen Kirchen des Niederrheins durchgängig gehalten sind." Die Baukosten beliefen sich die, für die damalige Zeit ungeheure Summe von 97.000 Mark, welche die Schaephuysener ohne öffentliche und kirchliche Zuschüsse aus eigener Kraft aufbrachten.

 

Am 7. Juni 1894 fand die feierliche Benediktion (Einsegnung) der Kirche statt. Ab diesem Zeitpunkt konnten Gottesdienste in der Kirche abgehalten werden.

 

Am 24. Oktober 1895 wurde der Hahn auf die Spitze des Kirchturmes gesetzt.

 

Der Benediktion folgte am 30. Juli 1899 in Kombination mit einer Firmung die Konsekration (Einweihung) durch den Bischof.

 

         

 

Einige Anmerkungen zur Ausstattung der Kirche:

 

  • Die Kirchenfenster

    Die Fenster für die neue Kirche wurden von der Firma Oidtmann in Linnich geliefert. Mündlicher überlieferung zufolge wurden die Kosten hierfür zum größten Teil aus Stiftungen von Pfarrangehörigen bestritten, die in den Fenstern dafür ihre oder die Namenspatrone von verstorbenen Familienangehörigen abbilden ließen.

    Die Fenster im Chorraum zeigen folgende Darstellungen:

    Mittelfenster: Hl. Familie mit Gott Vater und Hl. Geist in Gestalt einer Taube

    Fenster rechts: Theodorus, Hubertus (Pfarrpatron), Franzisca

    Fenster links: Gerhardus, Catharina, Matthias

    Fenster über dem Josefsaltar: Elisabet, Henricus, Franz von Sales

    Fenster über dem Marienaltar: Anna, Jacobus, Wilhelmus
  • Die Orgel

    Am 22. Dezember 1901 wurde die erse für die neue Kirche angeschaffte Orgel feierlich eingeweiht. Sie stammte von dem Orgelbauer Tibus in Rheinberg und hatte ,,14 klingende Register, verteilt auf zwei Manuale und ein Pedal sowie eine freie Combination". Feuchtigkeitsschäden und die Entfernung des Prospektes mit dem Hauptregister während des 1. Weltkrieges setzten der Orgel sehr zu. Restaurierungspläne scheiterten an fehlenden Geldmitteln und im 2. Weltkrieg verschwanden weitere Pfeifen. 1968 wurde eine elektronische Orgel angeschafft. Deren klangliche Nachteile ließen aber bald den Wunsch nach einer neuen Orgel entstehen, für die ab 1982 gesammelt wurde. Am 8. November 1987 fand die Einweihung dieses neuen Instrumentes statt. Es stammt aus der Werkstatt Breil in Dorsten und zählt sieben Stimmen im Hauptwerk, sechs im Schwellwerk und vier im Pedal. Schleifladensystem, elektrische Registersteuerung und die sorgfältige Intonation bringen die Klangqualität in den Einzelstimmen wie in allen Kombinationen voll zur Geltung. Das neugotische Gehäuse ist aus Eiche; bei seiner Herstellung wurde zum Teil altes Schnitzwerk verwendet.
  • Die Glocken

    Im Jahre 1909 erhielt die Kirche 3 neue Bronzeglocken mit den Namen Marien-, Josephs- und Hubertusglocke. Nachdem 2 dieser Glocken im 1. Weltkrieg zur Waffenproduktion abgeliefert werden mußten, wurden hierfür 1921 2 Ersatzglocken beschafft. 1942 mußten alle 3 Glocken wiederum für Kriegszwecke abgegeben werden. Erst im Jahre 1954 war es möglich, neue Glocken zu beschaffen, die bei der Firma Petit u. Gebr. Edelbrock in Gescher/Westf gegossen wurden. Die erste, genannt Marienglocke, wiegt 1.457 kg und hat den Ton Es. Sie trägt die (lateinische) Inschrift: ,,Ich trage der gütigen Jungfrau Namen und rufe vorn hohen Turme ihre Diener zusammen". Die zweite, genannt Josefsglocke, wiegt 1.018 kg und hat den Ton F. Ihre Inschrift lautet: ,,Heiliger Josef! Komm zu Hilfe den hier fromm sterbenden Christgläubigen". Die dritte, Hubertusglocke genannt, mit einem Gewicht von 672 kg und dem Ton G hat folgende Inschrift: ,,Zum Lobe Gottes läute ich, Heiliger Hubertus, dich ehre ich".

Der Hl. Hubertus als Pfarrpatron

Der spätere Bischof Hubertus lebte der überlieferung zufolge in der Zeit des Merowingerreiches im Raume des heutigen östlichen Belgien und soll dort um das Jahr 655 geboren sein. Er starb 727 und bereits 743 erfolgte die "Erhebung seiner Gebeine" - die oberirdische Beisetzung in einem Sarkophag -, die damalige Form der Heiligsprechung. Seine endgültige Ruhestätte fand er im heutigen "St. Hubert" in den Ardennen. Von seiner Bischofsweihe in Rom berichtet die Legende, dass beim Anlegen der bischöflichen Gewänder durch den Papst die Stola gefehlt habe, die dann aber durch einen Engel dem neugeweihten Bischof umgelegt worden sei .Ähnliches sei auch mit einem Schlüssel als Symbol der Binde- und Lösegewalt eines Bischofs geschehen. Mit diesen legendären Attributen verband sich die Überlieferung, Hubertus habe mit Hilfe von Stola und Schlüssel Krankheiten, vor allem die Tollwut bei Menschen, Hunden und anderen Haustieren, heilen können. Erst viel später taucht jene Legende auf, die den Heiligen bekannt und volkstümlich gemacht hat und wesentlich für seine Verehrung als Schutzpatron der Jäger ist. Die Legende von seiner Begegnung mit einem kreuztragenden Hirsch.

 

Die Verehrung des Hl. Hubertus breitete sich über ganz Belgien, die Niederlande, das nördliche Frankreich, Luxemburg und Westdeutschland aus. Zahlreiche Kirchen wählten ihn zum Schutzpatron und feierten sein Fest am 3. November mit festlichen Gottesdiensten. Aus einer Aufzeichnung im Gemeindearchiv ist zu entnehmen, dass die Einwohner von Schaephuysen etwa zwischen 1450 und 1495 ihre erste Kapelle bauten und wohl von Anfang an den hl. Hubertus zu ihrem Pfarr- oder Schutzpatron erwählten.

 


Bei einer Restaurierung der Hubertusstatue Anfang 1997 wurde eine, auf deren Rückseite in das Holz eingravierte lnschrift gefunden, die Aufschluß darüber gibt, dass die Figur im Jahre 1903 von dem Bildhauer Dirkens in Kevelaer angefertigt und von den Geschwistern Kölschen, Angehörigen der Schaephuysener Töpferfamilien, gestiftet wurde. Die jahrhundertealte Verehrung des Heiligen in Schaephuysen fand ihren Niederschlag im Gemeindewappen, in dem ein Hirschgeweih mit dem darin schwebenden Kreuz abgebildet ist.

 

Text erstellt aus Unterlagen von Theo Mäschig

In Kürze anstehende Termine: