Wir wünschen ein frohes und gesegnetes Osterfest

Liebe Schwestern und Brüder,

 

Sind wir noch ganz bei Trost?

Wenn wir diesen Satz so aussprechen, ist das oftmals als eine Frage an unseren Verstand gemeint: Bist Du noch ganz bei Verstand? – das fragen wir Menschen, deren Verhaltensweisen wir nicht richtig verstehen (wollen). Wenn ich jetzt diesen Satz heute wähle, möchte ich ihn aber etwas wörtlicher nehmen – nämlich so, wie er eigentlich gemeint ist: Bist Du noch ganz bei Trost?

Das meint vom Wortsinn her: Hast du eigentlich einen Halt, eine Standfestigkeit, eine Basis, aus der du Halt finden kannst? Denn „Trost“ hat zu tun mit „trauen“, Ver„trauen“, Trutz = Stand, Verteidigungsstand. Wir kennen dieses Wort aus der „Trutzburg“. „Bist Du noch ganz bei Trost?“ ist also die Frage nach dem, was unserem Leben Trutz, Basis, Halt geben kann, aus dem wir leben können.

Wenn wir in den letzten Monaten die Worte verschiedener Entscheider genauso kommentieren:  „Seid Ihr denn noch ganz bei Trost?“, dann ist das eigentlich die Frage nach dem, was diese Entscheider in der Coronakrise anbieten können: „Habt Ihr etwas Festes, einen Stand, eine Basis, aus der wir Halt empfangen können?“ Und die Antwort kann nur sein: Haben sie nicht! Nicht nur, weil diese Weltlage so noch nicht in unseren Generationen vorkam und deshalb für alle Beteiligten Neuland ist, sondern auch, weil sich die Weltlage ja fast von Tag zu Tag so ändert, dass Entscheidungen von gestern heute schon wieder aufgehoben sind.

Diese Welt und auch oder gerade die Entscheider darin können uns keinen Trost angesichts der Weltlage bieten, denn sie sind mittendrin und genauso haltlos wie wir. Wir hätten aber gerne einen solchen Halt, eine solche Basis, einen solchen Trost. Unser Alltag in der jetzt spürbaren Krise, unsere Sehnsucht nach Normalität, unser ganzes Dasein schreit danach.

Jetzt den „lieben Gott“ aus der Tasche zu ziehen und den Glauben an Ihn gerade jetzt einzufordern, würde mir als Pastor ja gut anstehen, denn Gott soll ja einen solchen Trost schenken. Einen Gott vorzustellen, der in der Not hilft, bedarf dann aber auch zu sehen, wie dieser Gott denn wirkt:
nicht als der dramatisch Rettende, gewaltig Auftretende, bombastisch Wirkende, sondern als eine Kraft der leisen Töne, an denen ich als einer, der glauben will, erkennen kann: Ja Er ist da und wirkt –in einer Geste, einem Wort, in der Hilfsbereitschaft, im sich Bemühen, in den unvermuteten, aber auch geplanten Treffen, im Singen auf offener Straße, im Wiederzusammenkommen und -spielen der Kinder, im Lachen, im Aufrechterhalten von Kontakten, auch durch die Technik und die neuen Wege der Kommunikation.

In dieser schweren Zeit geben diese kleinen und großen Zeichen mir wieder einen kleinen Halt, um durchzuhalten, eine Basis, den nächsten Tag neu anzufangen, einen Trost, der mich froh macht und lächeln lässt. Aus der Not, der Einsamkeit, ja der Verzweiflung (auch an den Entscheidern) in dieser Krise können wir das erfahren, was gut ist und guttut. Auferstehung im Kleinen möchte ich das nennen, Auferstehungserfahrungen auch in totbringender Zeit – ein bisschen Ostern gegen das Leid in der Welt.

Ich hoffe, dass auch Sie darin ein bisschen das Osterlächeln meines Gottes erkennen und spüren können und auch ein wenig Freude erfahren durch die guten Zeichen, die wir geben und annehmen dürfen. Ich wünsche uns allen, dass wir in diesem menschlich/göttlichen Wirken wieder ganz bei Trost sein können….

 

Im Namen aller Mitarbeiter*innen der Pfarrgemeinde St. Martinus Rheurdt, Schaephuysen und Tönisberg.

Ihr Norbert Derrix, Pastor